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Kain tötet Abel, Palma Giovane (ca. 1603)

Blutsbrüder

Nach der Vertreibung aus dem Garten Eden beginnt das Familienleben für Adam und Chavva. Er „erkennt“ sie (gibt es einen schöneren Ausdruck für Sex haben?) und Chawa bringt zuerst Kain zur Welt und dann Hewel (was dann später zu Abel wird). Während der Ältere ein Bauer wird, arbeitet der Jüngere als Schafhirte.

Zum Zerwürfnis kommt es, als G´tt das Opfer von Hewel (ein Lamm) beachtet, das Opfer von Kain (Früchte des Bodens) aber nicht (4:3-5). Schon der erste Bauer der biblischen Menschheitsgeschichte musste also um seine Anerkennung kämpfen. G´tt mahnt Kain zwar, nicht betrübt oder eifersüchtig zu sein – aber dennoch erschlägt Kain seinen Bruder auf dem Feld (4:8). Erschwerend kommt hinzu, dass Kain G´tt belügt, als dieser ihn fragt, wo denn Hewel sei. Für diese Tat wird Kain schwer bestraft, er wird künftig keinem Boden mehr etwas abgewinnen können (für einen Bauer eine heftige Strafe) und muss „unstet und flüchtig sein auf Erden“ (4:12). Doch Kain will dieses Los nicht, er will seine Schuld nicht ertragen und befürchtet zudem, dass er als Bruder-Mörder überall verfolgt und erschlagen werden würde. Um das zu verhindern und Kain sein Leid lange ertragen zu lassen (G´tt hat schon eine fiese Ader), markiert er ihn (tadaa: das Kainsmal) und belegt jene, die Kain töten mit siebenfacher Vergeltung (4:15). Trotz seiner Tat wird Kain die Ehre zu Teil, noch mit seinen Nachfahren (ab 4:18) in der Tora erwähnt zu werden, er selbst zeugt im Lande Nod seinen Sohn Chanoch.

Adam und Chavva bekamen für den Verlust von Hewel einen weiteren Sohn, den sie Schet nannten. Adam selbst zeugte noch viele Söhne und Töchter, die ungenannt bleiben und starb mit 930 Jahren (5:5). Die Tora folgt hier der Linie der Erstgeborenen und erzählt, dass Schet den Enosch zeugte und Enosch den Kenan und Kenan den Mahalal’el und Mahalal’el den Jered und Jered den Chanoch und Chanoch den Metuschelach (ja, der berühmte Methusalem) und Metuschelach den Lemech und Lemech den Noach. Alle wurden laut Tora um die 900 Jahre alt, der Älteste war tatsächlich Metuschelach mit 969 Jahren, knapp gefolgt von Jered mit 962 Jahren. Interessant an der Stelle ist nicht nur das wortwörtlich biblische Alter, sondern auch die Tatsache, im welchem Alter noch Kinder gezeugt wurden. Spitzenreiten hier ist Noach, der seine drei Söhne im Alter von 500 Jahren bekam (anderen waren mit um die 150 Jahren bescheidener).

 

Auch in diesem Abschnitt gibt es wieder einen Bruch. Zum einen wird am Beginn von Kapitel fünf nochmal berichtet, dass G´tt den Menschen schuf nach seiner Ähnlichkeit und zwar männlich und weiblich (Parallele zu Kapitel 1). Zum anderen wird von G´tt im Kapitel 4 nur in Form von jhwh gesprochen, während in Kapitel fünf nur von elohim die Rede ist. Die Ähnlichkeiten bestimmter Textbausteine werden schon hier immer deutlicher.

Nachdem bereits im ersten Abschnitt der Tora etliche Gebote genannt werden (z.B. seid fruchtbar), werden in den zwei darauf folgenden Abschnitten einige grundlegende Gebote ausführlicher erläutert. Ging es beim Garten Eden um die Vorschrift, G´ttes Anweisungen zu befolgen, wird mit der Geschichte von Kain und Hewel illustriert, dass Mord verboten ist und entsprechend geahndet wird (allerdings nicht mit dem Tod, dieser Abschnitt sei den gläubigen Anhängern der Todesstrafe empfohlen).

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