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Vertreibung aus dem Paradies, Giovanni di Paolo (1445)

Menage á trois im Garten Eden

Das zweite und dritte Kapitel des Bereschit handeln von Adam und Eva. Zunächst wird nochmal die Erschaffung des Menschen erzählt, diesmal konkreter („bildete den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase Odem des Lebens“ 2:7). Für diesen Menschen erschafft G´tt einen Garten in Eden (gan beEden) mit einer Fülle an Pflanzen und dem Baum des Lebens und dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Der Garten wird noch etwas genau lokalisiert, da aus ihm ein Fluss entspringt, der sich in vier Flüsse teilt (Pischon, Gichon, Chiddekel und Perat), die jeweils Länder um- bzw. durchfließen (Chavila, Kusch, Aschschur).

Der Mensch darf den Garten bewohnen und alles tun – nur vom Baum der Erkenntnis darf er nicht essen (wohlgemerkt: vom Baum des Lebens offenbar schon, 2:17). Aber so alleine soll der Mensch nicht bleiben (nun ist es doch ein einzelner Mensch, im Gegensatz zur Erschaffung von männlich und weiblich im Kapitel davor) und darum will G´tt ihm eine Gehilfin machen, die ihm angemessen ist. Wieder im Widerspruch zu Kapitel eins bildet G´tt nun aus dem Erdboden die Vögel und die Landtiere (wo sind die Fische?) und der Mensch soll sie benennen und unter ihnen eine angemessene Gehilfin finden (2:19). Auffällig hierbei ist, dass der Mensch eine gottesähnliche Funktion erhält, nämlich die Tiere durch ihre Benennung quasi zu erneut zu erschaffen – ähnlich dem Schöpfungsprozess „G´tt sprach“. Da unter den Tieren natürlich keine angemessene Gehilfin für den Menschen ist (eine frühe Absage an Sodomie?), formt G´tt aus der Rippe des Menschen eine Frau. Hier tauchen erstmals die Bezeichnungen für Mann isch und Frau ischa auf – und die Nähe der hebräischen Bezeichnung („Männin“ 2:23) leitet sich aus der Erschaffung ab („denn vom Manne ist diese genommen“).

 

Die Geschichte in Kapitel drei ist alt bekannt und schnell erzählt. Die Schlange als listigstes aller Tiere überredet die Frau (noch hat sie keinen Namen) vom Baum der Erkenntnis zu essen (wer kam eigentlich auf den Apfel?) und auch der Mensch aß dessen Frucht. „Die Augen beider wurden aufgetan“ (3:7), sie bekleideten sich mit Feigenblättern zum Schutz und versteckten sich aus Scham vor ihrer Nacktheit vor G´tt. Großes Drama – die Schlange verliert ihre Beine (na, welches Bild vom Sündenfall stellt das richtig dar?), die Frau wird unter Schmerzen Kinder gebären und vom Mann beherrscht werden (3:16) und der Mensch wird sich nur unter Beschwerden von der Erde ernähren können. Kleiner Wehmutstropfen wieder für die Vegetarier*innen: es gibt eine klare Ansage zur Ernährung („und du sollst verzehren das Kraut des Feldes“ 3:18). Hier nun erhält die Frau ihren Namen und da sie fortan den Menschen das Leben chaj schenkt, nennt der Mensch sie chava (gefällt mir persönlich wegen der Nähe zum Wort Leben viel besser als das schnöde Eva). G´tt ist noch so nett und bastelt den Menschen Kleidung und verjagt sie dann aus dem Garten Eden, damit sie nicht noch vom Baum des Lebens essen und so werden wie er (3:22).

 

Mehrere Dinge fallen in diesem Abschnitt auf. Erstens gibt es Unstimmigkeiten zur Schöpfungsgeschichte in Kapitel eins (Erschaffung Mensch, Gegensatz Mann – Frau, Erschaffung Tiere). Zweitens kann oder will G´tt nicht verhindern, dass die Menschen vom verbotenen Baum essen. Dafür tritt er erstmals als richtender G´tt auf, er bestraft die Menschen für das Brechen seiner Regel. Drittens ist zumindest der Beschreibung nach eine klare räumliche Zuordnung der Ereignisse möglich. Eine Begründung für diese Auffälligkeiten kann daher die vierte Besonderheit der beiden Kapitel sein: nachdem G´tt bei der Schöpfungsgeschichte nur als elohim bezeichnet wird, tauchen in Kapitel 2 und 3 immer die beiden Bezeichnungen elohim und jhwh (gesprochen adonaj) auf, übersetzt mit der Ewige, G´tt bzw. Herr. Beide Bezeichnungen ziehen sich durch die Tora, aber dass in diesem Abschnitt beide verwandt werden könnte dafür sprechen, dass es hier einen anderen Autor gibt als im Kapitel eins.

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